Diese Seite versammelt reale Fallstudien aus Beyond PPP, vom gescheiterten Vertrag bis zum international zitierten Referenzmodell. Jede Fallstudie enthält eine kurze Einordnung und einen Auszug aus dem Buch, mit genauer Kapitelangabe.
Sechs Fallstudien aus dem Buch
London Underground: Komplexität mit Kontrolle verwechselt
1992 präsentierte die britische Regierung Private Finance Initiatives als Lösung für marode Infrastruktur und leere Kassen. Das bekannteste Ergebnis ist die Teilprivatisierung der Londoner U-Bahn 2003: ein 2.800 Seiten langer Vertrag über 30 Jahre, aufgeteilt auf die Konsortien Metronet und Tube Lines. Fünf Jahre später war Metronet insolvent.
„Transport for London besaß bei Vertragsschluss keine ausreichenden technischen Kapazitäten, um die Leistungserbringung von Metronet sachgerecht zu beurteilen."
Das Buch stellt Metronet der Jubilee Line Extension gegenüber, einem ähnlich komplexen Projekt, das mit behaltener technischer Kompetenz auf Auftraggeberseite erfolgreich war. Die Lektion ist eine Frage der Auftraggeberkompetenz: ob der Staat seinen eigenen Vertragspartner noch versteht.
Estland: ein Staat als digitale Plattform
1,3 Millionen Einwohner, ein Bruttoinlandsprodukt kleiner als das der Stadt Stuttgart, und trotzdem die am weitesten digitalisierte Verwaltung Europas. Seit 1997 baut Estland mit X-Road eine dezentrale Dateninfrastruktur, bei der der Staat die Standards setzt und private Technologieunternehmen die Umsetzung liefern.
„Heute reicht ein estnischer Bürger seine Steuererklärung in drei Minuten ein, wählt in sechzig Sekunden online und gründet ein Unternehmen an einem Nachmittag."
Estland hat seine Architektur inzwischen exportiert, unter anderem nach Finnland und Island. Das Buch liest X-Road als Gegenentwurf zu London Underground: dieselbe Grundfrage nach staatlicher Kompetenz, mit entgegengesetztem Ergebnis.
ITZBund und IONOS: ein Vertrag als Mikrokosmos
Im Frühjahr 2024 vergab das Informationstechnikzentrum Bund einen Auftrag über bis zu 410 Millionen Euro für eine air-gapped Enterprise-Cloud, physisch isoliert vom öffentlichen Internet, ausschließlich auf deutschem Boden. Den Zuschlag erhielt das europäische Unternehmen IONOS.
„Ein europäisches Unternehmen gewann gegen die globalen Hyperscaler – weil die Anforderungen so formuliert waren, dass Datensouveränität und physische Kontrolle Vorrang vor Marktdominanz hatten."
Das ITZBund schrieb funktionale Ziele statt technischer Lösungen vor: Verfügbarkeit, Sicherheitsniveau, Portierbarkeit, Kündigungsrechte. Das Buch liest den Vertrag als Blaupause für genau die outputbasierte Beschaffung, die auch im Essay zum Vergaberecht auf dieser Seite beschrieben wird.
Vier Länder, vier Modelle
Kapitel 26 vertieft vier internationale Beispiele staatlich-privater Infrastrukturgovernance, von der 200 Jahre alten französischen Staatsbank bis zur jüngsten deutschen Verwaltungsreform.
Die Caisse des Dépôts
Seit 1816 investiert die staatliche Finanzierungsinstitution CDC als Co-Investor neben privatem Kapital in Infrastruktur. „Ihre Beteiligung senkt das Risikourteil anderer Investoren, weil sie staatliche Unterstützung signalisiert, ohne staatliche Kontrolle zu bedeuten."
Rijkswaterstaat und das Delta-Programm
Die niederländische Wasserbaubehörde vergibt fast alle Bauarbeiten an private Konsortien, bleibt aber mit über 9.000 Mitarbeitenden technisch kompetenter Auftraggeber. „Der private Partner hat ein finanzielles Interesse daran, die Straße in gutem Zustand zu halten, weil sein Erlös von der Verfügbarkeit abhängt."
Infrastructure Ontario
Über 100 PPP-Großprojekte seit 2005, jedes geprüft gegen einen Public Sector Comparator. „IO-Projekte im Durchschnitt 3,4 Prozent unter dem PSC-Vergleichswert abgeschlossen."
Die Autobahn GmbH des Bundes
2021 übernahm eine neue Bundesgesellschaft die Verwaltung von rund 13.000 Kilometern Autobahn von den 16 Ländern, bislang ohne privates Kapital. „Institutionelle Reformen brauchen Zeit, um zu wirken."
Beyond PPP: jetzt vorbestellen
Alle sechs Fallstudien stammen aus Beyond PPP, erscheint am 30. November 2026 bei Springer Gabler. Das Buch liefert 37 Kapitel in acht Teilen, mit vollständiger Quellenangabe zu jeder Fallstudie.